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H A Y D N F E S T S P I E L E

März 2018 | Amtsblatt Eisenstadt

– in 18 Tagen von Wien nach London

Nicht seine London-Aufenthalte selbst, sondern die Reisen

dorthin, wollen wir mit dieser Ausstellung beleuchten. Der

Komponist hat seine Eindrücke in vielen Briefen an Marian-

ne von Genzinger und Berichten an seine Biographen fest-

gehalten. Daher wissen wir, wo er genächtigt hat, was er

gegessen hat, wen er auf der Reise getroffen hat“, erläutert

Reicher. Und auch Haydns wohl berühmtestes Zitat steht in

Verbindung mit seiner erste Englandreise.

Wolfgang Amadeus Mozart begleitete Haydn und Salo-

mon zur Abfahrt der Postkutsche. Davor hatten sie ein ge-

meinsames Abendessen, bei dem Mozart sich Sorgen um

seinen väterlichen Freund machte:

„Papa! Sie haben keine

Erziehung für die große Welt gehabt und reden zu wenige

Sprachen.“

Joseph Haydn aber antwortete ihm:

„Oh, meine

Sprache verstehet man durch die ganzeWelt.“

>

Reisen in der damaligen Zeit

Seine erste Reise machte Haydn in der regulären Postkut-

sche. Die Strecke von Wien nach Linz dauerte fast 24 Stun-

den, in denen der Maestro etwa in Melk

2 Schalen Kaffee

undWeißbrot im Gasthof Weisses Lamm frühstückte.

Zur Mittagspause in Strengberg gab es im Posthaus

Suppe,

Rindfleisch mit Gemüse, Salat und Brot

. „Interessant ist, dass

sich die damaligen Stationen, wo Haydn Rast machte, rela-

tiv genau mit den heu-

tigen Raststationen an den

Autobahnen decken“, erzählt Reicher.

Die zweite Londonreise im Jahr 1795 trat Haydn gemein-

sam mit seinem Kammerdiener Johann Eßler an auf der

Route der Thurn und Taxisschen Poststationen. Diesmal

reiste Haydn jedoch in einer privaten Reisekutsche, die ihm

Baron van Swieten zur Verfügung gestellt hatte.

>

Die Schöpfung

Tief beeindruckt zeigte sich Haydn auch von der Überfahrt

von Dover nach Calais. Es tobte ein Sturm, das Meer peitsch-

te die Wellen hoch. Während die meisten Passagiere unter

Deck Schutz suchten, trotzte der Komponist dem Sturm:

während der ganzen überfahrt bleibe ich oben auf dem schif

um das ungeheure Thier das Meer satsam zu betrachten“,

schrieb Haydn. Seinen musikalischen Niederschlag fand der

Sturm im Oratorium „Die Schöpfung“, wie dies in den Auf-

zeichnungen Haydns dokumentiert ist.

„Joseph Haydn ist in vielfacher Hinsicht beeindruckend.

Nicht nur sein musikalisches Schaffen, auch seine Persön-

lichkeit, seine Reisen, ja sein gesamtes Leben bieten immer

wieder neue Zugänge. Haydn wird einfach nie langweilig“,

weiß Haydn-Fachmann Reicher.